
Als die Etschsümpfe noch vor die Stalltüren reichten
Lana hat, wie es sich für einen Ort dieser Größenordnung gehört, eine vieltausendjährige Geschichte. Weite Teile davon sind geprägt vom Kampf mit den Naturgewalten. Etsch und Falschauer , bis vor wenig mehr als hundert Jahren ungezähmt und unbezähmbar, sorgten dafür , daß hier die goldenen Apfelbäume nicht allzu früh in den blauen burggrafler Himmel wuchsen. "Einen großen Teil der Talstufe nimmt die träg dahin schleichende Etsch, nehmen die durch sie erzeugten Sümpfe ein ", schrieb Ignaz Vinzens Zingerle noch im Jahre 1867.
Erst die Etschregulierung und die darauf folgende Urbarmachung der Etschauen befreiten Lana vor dieser gefährlichen Nachbarschaft . Dies und die Anbindung an das internationale Eisenbahnnetz (1881) war die Geburtsstunde des modernen Lana.
Trotzdem wäre es grundfalsch , stellte man sich das alte Lana als ein ärmliches , im Sumpffieber vor sich hin vegetierendes Dorf vor. Auf den Schuttkegeln und an den Talhängen gab es genug fruchtbare und überschwemmungssichere Böden , wo " die erste und verbreiteste aller Früchte, die Traube, das edelste Getränk spendet" (J.J.Staffler , 1846) und den Lananern ein sicheres Einkommen. "In diesem Gericht Lana wächst guter Wein der in bedeutenden Mengen verkauft wird und den Einwohnern viel Geld bringt " , stellte schon Marx Sittich von Wolkenstein um 1600 fest. Auf der soliden Grundlage voller Weinfässer ließ es sich schon bauen , mochten im nahegelegenen Moor die Frösche noch so laut quaken. Und gebaut wurde denn auch in Lana. Neben neunundzwanzig Kirchen - achtzehn davon reichen noch ins Mittelalter zupück , und den fünf Höhenburgen wuchsen noch zahlreiche Edelsitze und stattliche Bauernhöfe aus dem fleißig bearbeiteten Boden. Daß es die Lananer waren , die anno 1503 bei Meister Schnatterpeck nicht nur den größten , sondern auch den teuersten Altar des Alpenraumes bestellten , soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben . Bezahlt haben sie ihn übrigens, wie sollte es anders sein, mit jährlichen Weinlieferungen.
Von den Urlananern und einem Münzschatz im Walde
So bedeutend der Wein für Lanas Geschichte ist , jene namenlosen Menschen , die nach Maßgabe der jüngsten Funde zwischen 7000 und 4500 vor Christus auf den Höhen des Vigiljoches Ihr Süppchen kochten, mußten ihren Durst wohl noch am nahegelegenen, Goldbrünnlein löschen. Vielleicht ist dies mit ein Grund , warum sie alsbald wieder von dannen zogen. Die ersten Dauersiedlungen wurden in und um Lana erst später, an ber Wende von der Steinzeit zur Bronzezeit ( um 2000 v. Ch.) gegründet. Am Silackerbühel in Ackpfeif und am Kobaltbühel in Völlan entstanden ausgedehnte prähistorische Siedlungen. Bronze- und eisenzeitliche Niederlassungen wurden in Talrandlage und auf den Mittelgebirgsterrassen vielerorts festgestellt, so auch auf den späteren Burgen Brandis , Leonburg und Braunsberg. Bald nach der Zeitenwende , als das Etschland dem römischen Imperium einverleibt wurde , entstanden im Umfeld der Via Claudia Augusta am überschwemmungssicheren Talbodenrand Gutshöfe , die nach dem Brauch der Zeit an verdiente Soldaten verliehen wurden. In Lana ließ sich ein solcher Veteran auf dem Schuttkegel der Falschauer nieder und errichtete dort eine "Villa" nach der der Ortsteil nördlich der Falschauer noch heute seinen Namen führt.
Nach E. Kühebacher stand dieser römische Legionär auch bei der Namensgebung für Lana selbst Pate . Der namhafte Forscher leitet Lana aus Leonianum, was soviel wie "Gut des Leo" bedeutet ab. Bis vor kurzem lagen uns nur wenige Funde aus römischer Zeit vor, darunter allerdings ein seltener, reich verzierter Stilus (Schreibgriffel), der am Frigeleberg zutage trat. Die 1994 durchgeführte Unterkellerung der Sakristei bei der Pfarrkirche von Niederlana erbrachte dann den Nachweis römischer Häuser , die im 2. und 3. Jahrhundert an dieser Stelle standen. Später zerstört, dienten ihre Ruinen in der Spätantike und in der Völkerwanderungszeit für Bestattungen. Solcherart gewissermaßen geweiht , entstanden ab dem frühen Mittelalter nacheinander eine Abfolge von Kirchen , als deren letzte die 1492 geweihte spätgotische Maria-Himmelfahrtskirche Gott-sei-Dank bestehen blieb.
Geradezu eine archäologische Sensation ist der große Münzfund, der im Dezember 1995 auf einer bewaldeten Hügelkuppe zwischen Lana und Nals ausgebraben wurde . So ist es nicht verwunderlich, wenn sich die gesamte archäologische Belegschaft des Denkmalamtes, in, wie man hört, nicht alltäglicher Eintracht am Fundort einfand, um den Münzschatz zu bewerten. Es handelt sich beim Münzfund von Lana mit rund 1000 Münzen vom 1. bis zum 4. Jahrhundert nach Christus um den bislang größten römischen Münzfund in Tirol.
Der Fundort , wenige Dutzend Meter oberhalb der Etschtalsohle auf der orografisch rechten Talseite in völlig siedlungsfreiem Umfeld gibt den Forschern noch einige Rätsel. auf.
Mit dem Zusammenbruch der römischen Verwaltung und Grenzverteitigung im Verlauf des vierten Jahrhunderts wurden die ungeschützten Siedlungen am Talrand wieder zugunsten höhergelegener Stützpunkte, die nicht selten mit den bronzezeitlichen Burgen identisch sind, aufgegeben.
Von Baiuwaren und Langobarden bis zum Deutschen Orden
Es waren schlimme Zeiten angebrochen. In das Machtvakuum, das der Untergang des römischen Imperiums hinterließ , stießen germanische Völker vor, 0stgoten , Langobarden, Baiuwaren, Franken. Wo sie zusammentrafen krachte es, soweit dies bei den Mitteln der damaligen Kriegsführung möglich war. In Lana mehr als anderorts: Hier verlief nämlich die Grenze zwischen dem langobardischen Herzogtum Trient und dem unter fränkischer Hoheit stehenden Vinschgau. Bei einem Einfall der Franken im Jahre 590 wurden die Langobardenburgen Tesana (Tisens) , Serminana (Sirmian) , Appianum (Eppan) und Maletum (Mölten) zerstört . Lana dürfte mit dem benachbartem Maia wohl der Ausgangspunkt dieser Expedition gewesen sein.
Neben derartigen Scharmützeln spielte sich im 6. und 7. Jahrhundert weit wichtigeres ab: das Christentum wurde endgültig zur vorherrschenden Religion (und ganz nebenbei zum Kontinuitätsträger von der Spätantike ins Mittelalter), und unser Land wurde germanisiert. Das Land an der Etsch wurde deutsch. "Schuld" daran waren vor allem die Baiuwaren, welche die Ebenen una Täler besiedelten.
Unter ihnen gab es selbstbewußte Grundherren , die bei ihrem Gutshof eine Kirche erbauen ließen. Auf diese Weise entstanden die Eigenkirchen St.Georg am Beginn des schwierigen Übergangs in den Nonsberg und nach Judukarien, St.Margareth und wie die 1996 durchgeführten Grabungen zeigen, auch St.Ulrich. Auf St.Georg gelang Hans Nothurfter übrigens der Nachweis einer frühmittelalterlichen Holzkirche, südlich der Alpen ein Unikum. St.Margarth, mit bedeutenden und unlängst restaurierten Fresken von 1215 - gehört zum Typ der im 8. Jahrhundert im langobardsichen Oberitalien stark verbreiteten Dreiapsidenkirchen , welche speziell das Gebiet von Chur und das westliche Südtirol allgemein prägten.
Die St.Ulrichskirche dürfte um die Jahrtausendwende erbaut worden sein. So bedeutend diese frühen Kirchen in unserem Geblet sind, der Sitz der Urpfarre , die sich um die Jahrtausendwende als Organisationseinheit des religiösen lebens und als Verwaltvngssprengel bildete, befand sich zu Maria Himmelfahrt . Die bis in die Antike zurückreichende Vorgeschichte der heutigen Pfarrkirche wurde bereits weiter oben dargelegt. Neben Lana selbst gehörten die umliegenden Dörfer Völlan , Gargazon , Burgstall , Pawigl der äußere Teil des Ultentales und etliche Höfe bei Vöran zum Pfarrsprengel. Insgesamt entstanden hier bislang 29 Kirchen, von denen nicht weniger als 18 noch ins Mittelalter zurückreichen. Ursprünglich eine Weltpfarre, wurde Lana 1369 durch päpstliche Schenkung dem Deutschen Orden übergeben , zu dessen größten Seelsorgen es seitdem zählt. Im 19. Jahrhundert ging von Lana die Erneuerung der gesamten Ordensgemeinschaft aus. P.Peter Paul Rigler und Hochmeister Erzherzog Maximilian schufen hier 1855 den ersten Priesterkonvent im Orden und im Kloster Lanegg das Mutterhaus der Deutsch-Ordens-Schwestern. Heute stellt die Pfarre Lana, die seit 1844 auch Sitz des Dekanates ist, nicht nur das Zentrum der Ordenprovinz Südtirol, sondern auch das Wirtschafliche Rückrat des Gesamtordens dar. Die sehr schöne spätgotische Pfarrkirche von Niederlana, neben der der Ordenserneuerer P.Rigler begraben liegt, beherbergt im bekannten gotischen Meisterwerk von Hans Schnatterpeck einen der größten und eindrucksvollsten gotischen Altarschreine des Abendlandes.
Bemerkenswerte Neuentdeckungen an und in Lananer Kirchen stellen die ergrabene romanische Kirche von St.Agatha sowie die umfangreichen Freskenfragmente dar , welche unterhalb der Sakristei der Pfarrkirche bzw. in St.Ulrich von fleißigen Händen ans Tageslicht gefördert wurden . Sie bilden trotz ihrer Unvollkommenheit einen Schatz gotischer Wandmalereien in Südtirol.
Von Burgen und ihren Besitzern
Mit über 300 mittelalterlichen Wehrbauten zählt das südliche Tirol zu den bedeutensten Burgenalndschaften des Abendlandes. Der Großteil dieser landschaftsprägenden Bauten stellt als Höhenburgen eine spezifische Wohnform des mittelalterlichen Adels im 12. und 13. Jahrhundert dar. Dem Beispiel der geistlichen und weltlichen Fürsten folgend verließ damals auch der Dienstadel seinen bisherigen Wohnort in den Dörfern. In unserem Gebiet errichteten Zweige der Herren von Lana um 1200 die Höhenburgen Lanaburg (Leonburg), Brandis, Braunsberg und Lebenberg , Ministerialen der Grafen von Eppan- Ulten die Maienburg und Werrenberg in Völlan. Minderbemittelte bzw. tiefer stehende Adelige sind für die Erbauung der Dorfburgen Gössl , Larchgut , Hubner , St.Anna , Goldegg , Platzgut (St.Lorenz) , Runst (Helmsdorf) und Taubenheim zuständig. All diese zum größeren Teil bis heute noch erhaltenen Bauwerke spiegeln nicht nur das Repräsentationsbedürfnis ihrer Besitzer wieder, sondern auch deren Bedürfnis nicht Schutz und Sicherheit.
Im 16. Jahrhundert kam es unter völlig anderen Vorzeichen zu einem neuerlichem Aufblühen adeliger Wohnkultur in Lana . Eine neue Adelsschicht , die eben erst im Kriegs- Hof - oder Verwaltungsdienst Karriere gemacht hatte, wollte ihren neu erworbenen und teuer bezahlten Adel durch herrschaftliche Wohnbauten zur Schau stellen. Dies gilt im 16. Jahrhundert für die Herren von Goldegg , Helmsdorf und Hausmann, im 17. und 18. Jahrhundert u.a. für die von Sagburg , Miller-Aichholz , Schöpfer , Parth , Tändl , Grießenstein , Treger , Federspiel und Gruber. Tatsächlich "gefreit", das heißt wie die altadeligen Besitzungen von der Steuer und den Gemeindelasten befreit waren nur die Ansitze Helmsdorf , Goldegg, Lanegg , Gartscheid , Junkhof (St.Lorenz) , Huebner (Thaler) und Grießenstein.
Das bedeutenste und zugleich älteste Lananer Adelsgeschlecht sind die heute noch recht kräftig blühenden Grafen Brandis. Sie treten um die Mitte des 12. Jahrhunderts in das Licht der Urkunden und erbauen sich wenig später ihre Burgen Lanaburg , Brandis, Braunsberg und Lebenberg. Bald gerieten auch sie unter die Fuchtel der Grafen von Tirol, denen sie ihre Burgen aufsagten. Die jahrhundertelange Ausübung der Vogtei und der niederen Gerichtsbarkeit über die Pfarren und Gemeinden Lana und Marling spiegeln ebenso wie der imposante Bergfried von Brandis die Zugehörigkeit zur herrenmäßigen Oberschicht des Dienstmannenadels wieder.
Die 1580 in den Freiherrenstand und 1654 in den Reichsgrafenstand erhobenen Brandis stellten der gefürsteten Grafschaft Tirol acht Landeshauptleute und zwei Statthalte, von denen einige auch als bedeute Geschichtsschreiber hervortraten, so Jakob Brandis mit seiner "Geschichte der Landeshauptleute".
Das Wappen der Grafen Brandis , ein steigender Löwe, ist mit dem schwarzen Kreuz des Deutschen Ordens im Gemeindewappen von Lana vereint.
Neben dem Adel verfügten besonders zahlreiche Klöster seit dem Mittelalter über ausgedehnten Besitz in Lana. Zu den am frühesten erwähnten Klosterhöfen gehört der Tonner , dessen Weingüter bereits 1034 in den Urbaren des Kloster Tegernsee aufscheinen. Insgesamt besaßen 24 vorwiegend süddeutsche K1öster und Stifte Weinhöfe in und um Lana. Den reichsten Urbarbesitz konnte das welfische Hauskloster Weingarten beanspruchen , dem in der frühen Neuzeit St.Mang zu Füssen folgte.
Die Wirtschaft bestimmte der Weinbau
Lana und der Wein , das ist ein Thema , das in den alten Urbaren , Urkunden und Chroniken über ein Jahrtausend hinweg in allen denkba ren Variationen abgehandelt wurde . Erst in den letzten hundert Jahren löste der Obstbau den Weinbau als bedeutenste Einnahmequelle der heimischen Wirtschaft ab.
Bereits eine der ersten urkundlichen Erwähnungen von Lana in einer Urkunde des Klosters Tegernsee aus dem Jahre 1034 erfolgt in Zusammenhang mit einem Weingut zu "Loina" und die erhaltenen mittelalterlicher Urbare führen stets'die Abgaben vonn Wein und "Praschlet" (Maische) an erster Stelle an. Selbst den berühmten gotischen FIügelaltar in der Pfarrkirche von Niederlana finanzierten die Lananer nach Maßgabe des noch erhaltenen Vertrages mit Meister Schnatterpeck vorwiegend mittels des Weines. Die Apotheose der Weinrebe in der Kunst vollzieht sich jedoch nicht nur mit diesem Aushängeschild der Lananer Kunstlandsbhaft. Von der steinernen Weintraube an einem Schlußstein des gotischen Gewölbes in der St.Michaelskapelle über der Darstellung von Traube und Reber auf einem 1520 entstandenen Glasgemälde in der Pfarrkirche von Niederlana , das dem Weinpatron St.Urban gewidmet ist , spannt sich der Bogen bis zu den farbenfrohen Rokoko Gemälden in der schon genannten Friedhofskapelle , wo Weintraube, Äpfel und Birnen friedlich vereint von der Fruchtbarkeit dieser Gegend künden.
BIättert man in der landeskundlichen Literatur früherer Jahrhunderte, so findet man dort mehr als einmal geradezu ein Loblied auf den Lananer Wein vor. Von Georg Rösch , der 1557 den Ackpfeifer zu den dreizehn besten Lagenweinen des Landes rechnet , über Marx Sittich von Wolkenstein, der um 1600 in seiner Landesbeschreibung vermerkt "In diesem Gericht Lana wächst guter Wein , der in bedeutenden Mengen verkauft wird und den Einwohnern viel Geld bringt" bis zu den getreuen Chronisten des 19. Jahrhunderts , Beda Weber und J.J.Staffler, wird die Vorreiter Rolle des Weinbaues für die heimische Wirtschaft eindrucksvoll dokumentier.
Um 1830 betrug die Weinproduktion in Lana knappe 10.000 hl ; die Hälfte davon verkaufte man ins Unterland , während die andere Hälfte im Gerichtsbezirk selbst verbraucht wurde. Der Erlös aus dem Weinverkauf wird mit 72.000 Gulden angegeben. Die selbe guelle , der wir diese Angaben entnehmen , gibt die Erträge aus dem Ackerbau mit 1645 Tonnen an , nicht ohne dazu zu bemerken , daß Lana mit dieser Produktion den Eigenbedarf nicht decken kann. Auch der Rinderbestand , der sich um 1869 aus 1.378 Kühen , 39 Stieren und 158 Ochser, zusamßensetzte , reichte nicht aus , um die rund 2.700 Einwohner , die Lana damals zählte, zu ernähren. So mußte aus dem benachbarten Ultental und aus anderen Gemeinden Getreide und Fleisch eingeführt werden. Was den Weinbau betrifft , so haben von den 273 ha Rebflächen im Jahre 1859 bzw. den 179 ha von 1925 nur knapp 40 ha bis in die Gegenwart herauf den Siegeszug des Obstbaues überstanden.
Die größte 0bstbaugemeinde des Landes
Eigentlich müßte sie heute ja den Apfel im Wappen führen anstelle des Löwen der Grafen Brandis und dem Kreuz des Deutschen Ordens, die apfelgemeinde Lana. Rund 85.000 Tonnen Qualitätsäpfel werden hier auf rund 1.400 ha Kulturgrund geerntet und sodann in den vier hiesigen Obstgenossenschaften eingelagert. Zugleich Kann Lana den Anspuch erheben mit anderen burggräfler Gemeinden die Wiege des modernen Obstbaueszu sein. Schon im Mittelalter werden hier Baumgärten und Obstanger urkundlich genannt und im 17. und 18. Jahrhundert finden wir wenige Höfe , wo in den Grundbuchauszügen nicht ein oder zwei Wiesen "mit verstreuten Obstbäumenn" erwähnt werden. Den Starschuß für die rasante Entwicklung des Erwerbsobstbaues gaben die Etschverbauung (1875-1896) und der Bau der Eisenbahn , die 1867 den Brenner überquerte und 1881 Lana bzw. Meran erreichte. Damit waren die Tore zum Weltmarkt geöffnt Noch 1885 erfolgte die Gründung der "Oberetschtaler Früchteexportgesellschaft" und 1894 stellten bereits acht Lananer Obstproduzenten ihr "vorzügliches Tafelobstsortiment" in St.Petersburg aus. Weitere Meilensteine in der Entwicklung des (Lananer) Obstbaues sind der Einbau der Frostbergnungsanlagen ab 1953, sowie die nicht zufällig in Lana erfolgte Gründung des Südtiroler Beratungsringes für Obst- und Weinbau im Jahre 1957.
Heute kommt jeder zehnte Südtiroler , und jeder hunderste europäische Apfel aus Lana.
Aus Lanas Gründerzeit
Während der Obstbau sich auf seinem unaufhaltsamen Siegeazug befand , traten noch andere tiefgreifende Veränderungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben auf. 1850 wurde Lana zum Sitz des Bezirksgerichtes für das gesamte westliche Burggrafenamt , nachdem bereits sechs Jahre zuvor der Dekanatssitz hierher verlegt worden war. In dasselbe Jahr 1850 fällt die Gründung der Großgemeinde Lana.
Die folgenden Jahrzehnte vor und nach der Wende zum 20. Jahrhundert standen im Zeichen einer steilen Aufwärtsentwicklung , die nicht nur auf dem Gebiet der Wirtschaft , sondern vor allem auch im Bereich des Verkehrswesens die Grundlagen für das heutige Lana schufen "Allerwege rüstet Lana rum Übergange in eine neue Epoche" heißt es im Führer von Lana , den der Verschönerungsverein 1906 herausgab , und die Meraner Zeitung schreibt im selben Jahr: "Lana scheint eine Brutstätte für Energie und Tatkraft zu sein". Was den Herren bei derart entusiastischen Äußerungen vor Augen schwebte , das war noch nicht die 1912 als eine der ersten Personenseilbahnen der Welt erbaute Schwebebahn auf das Vigiljoch , wohl aber ein anders gearteter Höhenflug. 1881 war Lana an das internationale Eisenbahnnetz angeschlossen worden , 1891 erfolgte die Gründung der Raiffeisenkasse Lana , 1903 errichtete Ing. Luis Zuegg in der Gaul ein Elektriritätswerk, das Haushalte , vor allem aber die 1906 als erste Straßenbahn Südtirols erbaute Trambahn Lana - Meran mit Strom versorgte; im selben Jahr 1906 wurde das Kurhotel Rojal eröffnet.
Damit war die Reihe der Innovationen jedoch noch nicht zu Ende: 1907 wurde die Straße ins Ultental fertiggestellt , seit 1908 verarbeitete man in der Pappenfabrik jährlich zwischen 30.000 und 60.000 Kubikmeter Holz , 1910 zählte man im Gerichtsbezirk Lana 580 gewerbliche Betriebe , 1912 wurde die schon erwähnte Seilbahn auf das Vigiljoch erbaut , 1913 mit der Trambahn Lana - Burgstall die Transportverbindung zum Bahnhof nach Burgstall hergestellt und 1917 die Marmeladefabrik Zuegg gegründet.
So konnte man im bereits erwähnten Fremdenführer zurecht schreiben: "Das Lana von heute ist nicht mehr das alte , vom Verkehr unberührte und daher zurückgebliebene Dorf ". Parallel zu dieser erstaunlichen Entwicklung erfolgte ein rasanter Bevölkerungsanstieg: zählte Lana um 1880 noch knapp 3.000 Einwohner, so waren es 1910 schon über 4.000. Die Weichenstellung der Gründerzeit war derart , daß auch die folgenden zwei Weltkriege mit dem Ende der 550 jährigen Zuigehörigkeit zum Habsburgerreich den Siegeszug nicht mehr zu bremsen vermochten.
Vor allem in den Jahrzehnten nach dem Ende des 2. Weltkrieges wuchs Lana zielstrebig auf die heutige Marktgemeinde zu , die mit über 9.000 Einwohnern eine Mittelpunktgemeinde im Etschtal darstellt.
Christoph Gufler